Attraktive Reihenhäuser für Insulaner geplant

Interview mit Dr. Marc Weinstock, Geschäftsführer der DSK-BIG, über den Fortgang seiner Baustelle Lister Dünenpark

Erschienen am 02. Mai 2020 in der Sylter Rundschau.

Beispielansicht für Reihenhäuser im „Dünenpark“ mit einem Ausschnitt der Schwimm- und Mehrzweckhalle im (linken) Hintergrund

 

Herr Weinstock, die Welt scheint still zu stehen. Ihre Baustelle in List auch?

Nein, überhaupt nicht. Wir haben die vergangenen Monate intensiv genutzt, um den Dünenpark für die neue Erschließung und Bebauung vorzubereiten. Wir haben die alten Straßen ausgebaut und alle Gebäude abgebrochen, die nicht weiter genutzt werden. Das Abbruchmaterial wurde beprobt, das nicht belastete Material haben wir sortiert und für den Wiedereinbau vorbereitet. Derzeit werden die alten Leitungen und Fernwärmekanäle aus dem Boden entfernt. Das wird noch bis Ende Mai andauern, danach bereiten wir die Erschließung vor, die dann im Juli beginnen kann – sofern wir bis dahin Baurecht haben.

Gutes Stichwort: Wie ist denn der Stand des Genehmigungsverfahrens?

Wir sind auf einem guten Weg und planen, alle Unterlagen für den Bebauungsplan im Mai bei der Gemeinde List einzureichen. Auf der Basis kann dann die Offenlage im Bauausschuss und in der Gemeindevertretung beschlossen und bekannt gemacht werden. Danach folgt die 30-tägige Offenlage, und dann kann der Satzungsbeschluss gefasst werden.

Ist die momentane Situation ein Beschleuniger bei den Verfahren in den Ämtern oder eher ein Bremser, weil andere Themen oben aufliegen?

Weder noch. Die Gemeinde und der Kreis als Genehmigungsbehörde haben seit Anbeginn das Planungsverfahren „Dünenpark“ sehr engagiert und konstruktiv begleitet und tun das trotz Corona weiterhin. Und auch die Landesplanung, die ja auf Sylt teilweise sehr kritisch gesehen wurde, arbeitet inzwischen unter neuer Leitung sehr konstruktiv mit uns zusammen.

Sie konnten auf der letzten Bauausschuss-Sitzung der Gemeinde List zu einigen Themen des Dünenparks Stellung nehmen. Wie sieht denn jetzt das Gesamtkonzept für den Dünenpark aus?

Unter dem Dach des Dünenpark werden drei unterschiedliche Nutzungsformen realisiert. Ein Drittel der Fläche wird die Gemeinde für den Gemeinbedarf nutzen. Dazu gehören unter anderem der Sportplatz, das Feuerwehrhaus, die Schwimmhalle und die Aula. Ein Drittel wird mit 86 Ferienhäusern bebaut, und auf einem Drittel entstehen rund 300 Wohneinheiten, die ausschließlich für das Dauerwohnen genutzt werden dürfen. Etwa die Hälfte davon fällt in die Kategorie bezahlbares Wohnen. So werden in den ehemaligen Mannschaftsgebäuden über 100 bezahlbare Mietwohnungen mit Mieten ab 6,10 Euro je Quadratmeter entstehen.

Aufgehorcht hat mancher Beobachter der Sitzung des Lister Bauausschusses als es um die geplanten Reihenhäuser für Dauerbewohner ging. Stimmt es, dass im Dünenpark diese Häuser für Sylter Verhältnisse ziemlich günstig angeboten werden?

Wir räumen einem befreundeten Bauträger, mit dem wir bereits mehrfach und erfolgreich zusammengearbeitet haben, an den Grundstücken ein Erbbaurecht auf 99 Jahre ein. Auf diesen Grundstücken erstellt der Bauträger dann die Reihenhäuser und muss sich uns gegenüber verpflichten, das Reihenhaus inklusive Erbpachtzins für unter 500.000 Euro an Selbstnutzer zu veräußern. Außerdem arbeiten wir mit einer Bank an einem Finanzierungskonzept, die den Erwerbern eine Vollfinanzierung ohne Eigenkapital mit langfristiger Zinsbindung anbietet. Ziel ist es, dass die monatliche Belastung für Zins und Tilgung unter 10,50 Euro je Quadratmeter liegt. So ein Konzept haben wir bereits im Pioneer Park Hanau im Rhein-Main-Gebiet mit fast 400 Eigentumswohnungen realisiert.

Wie viele solcher Häuser werden Sie auf den Markt bringen?

Wir planen derzeit rund 35 Reihenhäuser.

Wie stellen Sie sicher, dass die für Insulaner vorgesehenen Wohnungen tatsächlich auch nur von Insulanern genutzt werden?

Wir werden an allen Grundstücken, auf denen Einzelhäuser, Doppelhäuser und Reihenhäuser entstehen, Erbbaurechte bestellen und dann die Grundstücke an die Gemeinde List übertragen. Außerdem wird für jede Wohnung im Grundbuch dinglich abgesichert, dass alle Wohneinheiten ausschließlich als Erstwohnsitz für Insulaner genutzt werden dürfen. Zweitwohnsitze werden somit konsequent ausgeschlossen.

Ein strittiges Thema ist der Umgang mit dem alten Schwimmbad in List, das historisch wertvoll und als Ort für Schwimmkurse nach wie vor als wichtig und erhaltenswert gilt. Für die Sanierung des Bads wurden vom Bund jetzt 900.000 Euro Fördermittel zugesagt. Sie haben bei Übernahme des Dünenparks die Zusage gegeben, das Bad zu erhalten. Bleibt es dabei?

Ja, sofern die Sanierung des Schwimmbades genehmigungsfähig ist, werden wir das Bad erhalten.

Ein weiteres Thema war die Kita in List. Wie konkret wird es auf dem Gelände des Dünenparks eine Kita geben und wer wird die betreiben?

Derzeit wird die Kita von der ADS betrieben. Diese Kita ist für maximal 60 Kinder ausgelegt, platzt schon heute aus allen Nähten und kann auch nicht mehr erweitert werden. Deshalb planen wir eine neue Kita für mindestens 120 Kin- der im alten Stabsgebäude. Dies ist mit der ADS abgestimmt und wird von der sehr begrüßt. Ich halte die ADS für den richtigen Partner und glaube, sowohl für die Gemeinde als auch für die ADS wäre eine langfristige Vereinbarung über den Betrieb der neuen Kita im Dünenpark sehr hilfreich.

Sie haben über 80 Ferienimmobilien, die Sie in den kommenden Jahren verkaufen wollen. Wie sehen Sie angesichts der aktuellen Krise den Sylter Immobilienmarkt?

Der Sylter Immobilienmarkt ist sehr stabil und wird sich durch die Krise nicht wesentlich verändern. Ich erwarte allenfalls kurzfristige Effekte, weil zum Beispiel Besichtigungen derzeit mit mehreren Menschen nicht stattfinden können.

Wenn Sie Sylt mit anderen Ihrer Projekten vergleichen, wie fällt da Ihr Urteil hinsichtlich der Akzeptanz und Kooperationen der zuständigen Ämter und der betroffenen Bürger aus?

Wir sind als DSK-BIG bundesweit aktiv, und die unterschiedlichen Projekte sind nur schwer vergleichbar. Die Akzeptanz von großen Projekten ist in Deutschland generell eher niedrig. Wir stellen aber fest, dass die Zustimmung zu Projekten wächst, wenn soziale und ökologische Themen berücksichtigt werden. Das gilt auch für den Dünenpark. Wir beobachten, dass er bei der Bevölkerung auf Sylt auf hohe Zustimmung trifft. Vielleicht auch, weil die Menschen spüren, dass hier ein Bauprojekt für sie entwickelt wird. 300 Wohneinheiten ausschließlich für Insulaner, und die meisten davon in einer Preisklasse, die sich auch Normalverdiener leisten können. Außerdem leben die Menschen auf den Inseln viel dichter an der Natur als Menschen in Großstädten. Deshalb hat unser Konzept einer CO2-neutralen Wärme- und Stromversorgung hier eine ganz besondere Bedeutung. Was die Ämter und Behörden angeht: Ich habe den Eindruck, dass wir hier in Schleswig-Holstein in ganz besonderem Maße der Krise trotzen und versuchen, trotz aller Widrigkeiten ein Großprojekt zum Abschluss zu bringen. Das finde ich sehr beeindruckend, und das macht mich als Schleswig-Holsteiner auch ein bisschen stolz.

 

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