Hintergrundbericht: Das städtebauliche Konzept des Dünenparks

Die Gemeinde List hat durch die Schließung der Marineversorgungsschule einen Schrumpfungsprozess erleben müssen wie keine andere Kommune in Deutschland. Mit dem Abzug der Bundeswehr schrumpfte die Bevölkerung im Jahr 2007 um rund die Hälfte, und auch viele der Zivilangestellten verloren ihren Arbeitsplatz und verließen die Insel. Für den Strukturwandel dringend benötigte und bereits zugesagte Fördergelder flossen nicht. Die Idee, auf dem Kasernengelände das Nordsee College Sylt zu errichten, stellte sich als nicht finanzierbar heraus. Ein Meilenstein der Entwicklung in List war die Ansiedelung des Arosa-Hotels, das einen spürbaren Impuls für die Entwicklung des Tourismus bedeutete. Gleichzeitig wurde aber deutlich, dass eine deutliche Steigerung des Wohnungsangebotes Voraussetzung für Investitionen in die Lister Wirtschaft war.

 

 

Dauerwohnraum und soziale Infrastruktur
Das WEK-Monitoring zur Ermittlung des Wohnraumbedarfs auf Sylt aus dem Jahre 2012 schätzte, dass bis 2025 rund 2.850 Wohneinheiten auf der Insel gebaut werden müssten, um den Bedarf zu decken. Erste Ergebnisse einer bislang noch nicht veröffentlichten Studie des Forschungsinstituts GEWOS zeigen, dass bislang nur 417 Wohnungen realisiert wurden. Darüber hinaus ist der Wohnraumbedarf auf Sylt seitdem angestiegen: So werden beispielsweise neue Großprojekte wie der Lanser Hof den Druck auf den Wohnungsmarkt weiter verschärfen.

Wie überall in Deutschland fehlen auch auf Sylt vor allem bezahlbare Wohnungen – also kleine Wohnungen sowie Wohnungen mit Mieten unter 10 Euro pro Quadratmeter. In den Verhandlungen zwischen Entwickler und Gemeinde war dies ein großes Thema und führte im Ergebnis dazu, dass sich die neuen Eigentümer des Dünenparkes dazu verpflichteten, eine Kernsanierung der alten Mannschaftsgebäude vorzunehmen und darin rund 100 Wohnungen zu schaffen, die zu Mieten von 8,50 Euro je Quadratmeter angeboten werden sollen.

Stadtplaner und Projektleiter Klaus von Ohlen

Aber nicht nur bezahlbares Wohnen ist gefordert. Das Beispiel des Lanser Hofes zeigt, dass derzeit auch hoch qualifizierte Arbeitsplätze auf der Insel geschaffen werden – und auch für diese neuen Insulaner muss ein entsprechendes Angebot geschaffen werden. Klaus von Ohlen fasst das so zusammen: „In den vielen Gesprächen mit der Gemeinde, aber auch vielen Unternehmern wurde deutlich, dass Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen benötigt wird. Es geht uns um ein breites Angebot von bezahlbaren Wohnungen bis hin zu Wohnraum für hochqualifizierte Arbeitskräfte.“ Deshalb liegt das bezahlbare Wohnen mit einem Anteil von rund 50 % des Geschosswohnungsbaus ungewöhnlich hoch, daneben entstehen aber auch Einzelhäuser, Doppel- und Reihenhäuser sowie barrierefreie Wohnungen in kleineren Mehrfamilienhäusern. Insgesamt 300 Wohneinheiten, die ausschließlich Menschen vorbehalten sind, die ihren Erstwohnsitz auf der Insel haben werden.

Wohnraum schaffen allein reicht jedoch nicht. „Unser Anspruch an ein zukunftsfähiges Wohnquartier beinhaltet auch die Schaffung von sozialen Einrichtungen“, führt Klaus von Ohlen aus. „Wir können dem alten Stabsgebäude seine zentrale Bedeutung zurückgeben: Hier sollen u.a. eine KiTa mit 120 Plätzen errichtet werden, und derzeit wird geprüft, ob in dem Gebäude eine Tagespflegeeinrichtung untergebracht werden kann. „Schlussendlich muss der gesamte Bereich wieder durchlässiger werden“, so Klaus von Ohlen. „Lister Bürger erzählen genervt vom Weg um das Gelände, von der in List noch nicht gefallenen Mauer. Sie wollen Fuß- und Radwege durch das Quartier.“ Diese Anbindungen werden jetzt zusammen mit zusätzlichen Grün- und Freiflächen geschaffen.

 

Ferienhäuser, E-Mobilität und klimaschonende Versorgung
Das alles muss bezahlt werden: Und so entstehen – quasi zur Querfinanzierung – im Dünenpark außerdem 85 hochwertige Ferienhäuser, alle unter Reet und eingebettet in eine inseltypische Dünenlandschaft, die auf dem ebenen Gelände freilich erst geschaffen werden muss. „Die Gewinner des Architekturwettbewerbes – drei Büros aus Kiel, Westerland und Hamburg – arbeiten derzeit unter der Führung des Kieler Büros Ax5 an den finalen Entwürfen“, berichtet Klaus von Ohlen. „Fest steht: Wir wollen auch etwas Neues schaffen. Und so finden sich neben klassischen Friesenhäusern eben auch zeitgemäßere Häuser – die Weiterentwicklung des Friesenhauses. Bewusst arbeiten wir mit mehreren Architekten zusammen: Wir wollen ein Quartier mit unterschiedlichen Häusern bauen, dass sich in die Gemeinde List einfügt.“ Die Anforderungen an moderne Quartiersentwicklung haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Neben dem klassischen Hochbau gewinnen integrierte, nachhaltige Konzepte und klimafreundliche Quartiersversorgung zunehmend an Bedeutung. Die DSK | BIG Gruppe verfolgt das ambitionierte Ziel, den Dünenpark nahezu CO2-neutral zu versorgen.

 

Das umfasst neben der Wärmeversorgung auch Angebote zur digitalen Vernetzung und Mobilität. Das Energiekonzept sieht unter anderem den Einsatz eines modernen Blockheizkraftwerkes (BHKW) zur effizienten und gleichzeitig kostengünstigen Erzeugung von Wärme und Strom vor. Die zukünftigen Bewohner und Feriengäste können an zentralen Mobilitätsstationen Elektroautos und E-Bikes ausleihen. Das Mobilitätskonzept soll eng mit dem ÖPNV und weiteren schon bestehenden Mobilitätsangeboten auf der Insel verknüpft werden. Das bestehende Busnetz der SVG wird aktiv eingebunden und fördert den intermodalen Verkehr zusätzlich. Ziel des Konzepts ist es, insgesamt den motorisierten Individualverkehr wirksam zu reduzieren und damit die vom Verkehr ausgehenden Emissionen zu verringern.

Die Planungen des mit 250 Millionen Euro Investitionsvolumen zurzeit größtem Bauprojekt auf der Insel laufen auf Hochtouren, die Abrissarbeiten werden noch in 2019 abgeschlossen. Für das Jahr 2020 sind als nächste Schritte die Fertigstellung der Bauleitplanung und der Bau der Straßen und Wege geplant. Die ersten Bewohner werden voraussichtlich 2021 in den dann kernsanierten ehemaligen Mannschaftsgebäuden einziehen.

 

Der Artikel ist erschienen am 26. Oktober als Teil der Sonderausgabe “List – innovativ, insular und sozial” in der Sylter Rundschau und im gesamten Verbreitungsgebiet des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages sh:z

Impressum                     Datenschutzerklärung                   Nutzungsbedingung        

Top